Thema: Totenkult
Wissenswertes
2007
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Totenkult
Totenkult
Unter Totenkultversteht
man jede Form des mehr oder weniger ritualisierten Ausdrucks der Anhänglichkeit,
Hochschätzung oder Verehrung von Verstorbenen vor, während und vor allem
nach ihrer Bestattung für einen dann mehr oder weniger oder auch nicht begrenzten Zeitraum.
Verbreitet findet er an Grabmälern statt, mittels der das Ansehen und die Erinnerung an
die Verstorbenen der Nachwelt erhalten werden soll.
Ursprünglichstes Merkmal ist der rituelle Kannibalismus (Schädelkult-Besitz der Seelensubstanz
als lebensspendende Kraft) der schon im Pleistozän (1-2 Mill. vuZ.) zu beobachten ist. Im
mittleren Päläolihikum (Altsteinzeit, 200.000 vuZ.) hatte sich bereits ein Totenkult entwickelt
der sorgfältige Beerdigungen einschloss. Das Vorhandensein von Gerätschaften und Lebensmitteln
weist hier erstmals auf einen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod hin, welches sich jedoch
nicht vom Erdenleben unterscheidet. Der Tote hat die gleichen Bedürfnisse wie im Leben. Zu
dieser Zeit begann man auch die Körper entspr. Herzurichten (Färbung des Skeletts mit rötlicher
"Lebensfarbe", Blutbeigaben) um seinen Besitzer ein Fortleben zu ermöglichen. Das Grab war
somit ein Tor zu einem anderen Leben.
Neben diesen Riten zur Erneuerung des Lebens nach dem Tod, kommt mit der Zeit eine anwachsenden,
Furcht die Toten könnten zurückkehren. Zusammengebundene Leichen mögen von dieser Furcht zeugen.
Die Riten schwanken somit genauso wie die Gefühle zwischen Verbundenheit und Furcht gegenüber
den Toten.
Zum Ende der Altsteinzeit treten erste Erdgräber mit großen Erdhügeln oder Steinwällen auf.
Mit dem Aufkommen der Megalithkultur (Mesolithikum 10.000 - 4.000 vuZ.)entwickeln sich mit der
Zeit immer massivere Grabbauten die ihren Höhepunkt sicherlich im Begräbniskult Ägyptens hatte
und von der großen Sorge um das Leben im Jenseits zeugt. Gräber wurden hier zu einer ewigen
Heimstätte für ein Leben nach dem Tod ausgebaut und ähnelten (je nach Herkunft und Status des
Toten) den Palästen zu Lebzeiten. Eine immer ausgefeiltere Technik die Toten zu mumifizieren
zeugt von dem Bedürfnis die Grenzen zwischen der Unvermeidlichkeit des Todes und der Existenz
der Lebenden zu verwischen. Da auch in anderen Kulturen Mumien gefunden wurden (Australien,
Indonesien, Westafrika), können Ethnologen von einer uralten gemeinsamen Sitte ausgehen.
Eine verhältnismäßig späte Form der Bestattung ist die Einäscherung der Toten die erst in der
Bronzezeit (um 2.000 vuZ.) üblich wird. Hier verknüpft sich der Glaube, dass die Toten zur
Sonne (oder einem anderen Teil des Himmelsgewölbes) emporsteigen und hier eine ewige Wohnung
finden. Die Urne (z.B. als Grabmaske) war bei den Etruskern auf magische Weise der Tote selber.
Särge galten noch im 17 Jahrhundert als Luxus. Tote wurden in der Regel in Urnengemeinschaften,
Katakomben (unterirdische Grabsysteme) und Mausoleen (Totenhäuser) bestattet. Das menschliche
Dasein erweist sich als unablässige Folge von Sterben und Wiedergeburt und soll durch bestimmte
Riten diesem Zyklus an den kritischen Punkten die Spannung nehmen. Die
Unsterblichkeitsvorstellung ist aus diesen rituellen Gegebenheiten als Folgeerscheinung
entstanden. Eine intellektuelle Spekulation über das Vorhandensein einer vom Leib gelösten
Seele entwickelte sich eher im Hintergrund dazu.
(Copyright 2007 / Oliver Schlemper - freier Autor)
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