www.LUGEO.de - Testament, Erben, Vererben, Pflichtteil, Nachlaß, Tod

Thema: Totenkult

Totenkult

Totenkult

Unter Totenkultversteht man jede Form des mehr oder weniger ritualisierten Ausdrucks der Anhänglichkeit, Hochschätzung oder Verehrung von Verstorbenen vor, während und vor allem nach ihrer Bestattung für einen dann mehr oder weniger oder auch nicht begrenzten Zeitraum.

Verbreitet findet er an Grabmälern statt, mittels der das Ansehen und die Erinnerung an die Verstorbenen der Nachwelt erhalten werden soll.

Ursprünglichstes Merkmal ist der rituelle Kannibalismus (Schädelkult-Besitz der Seelensubstanz als lebensspendende Kraft) der schon im Pleistozän (1-2 Mill. vuZ.) zu beobachten ist. Im mittleren Päläolihikum (Altsteinzeit, 200.000 vuZ.) hatte sich bereits ein Totenkult entwickelt der sorgfältige Beerdigungen einschloss. Das Vorhandensein von Gerätschaften und Lebensmitteln weist hier erstmals auf einen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod hin, welches sich jedoch nicht vom Erdenleben unterscheidet. Der Tote hat die gleichen Bedürfnisse wie im Leben. Zu dieser Zeit begann man auch die Körper entspr. Herzurichten (Färbung des Skeletts mit rötlicher "Lebensfarbe", Blutbeigaben) um seinen Besitzer ein Fortleben zu ermöglichen. Das Grab war somit ein Tor zu einem anderen Leben.

Neben diesen Riten zur Erneuerung des Lebens nach dem Tod, kommt mit der Zeit eine anwachsenden, Furcht die Toten könnten zurückkehren. Zusammengebundene Leichen mögen von dieser Furcht zeugen. Die Riten schwanken somit genauso wie die Gefühle zwischen Verbundenheit und Furcht gegenüber den Toten.

Zum Ende der Altsteinzeit treten erste Erdgräber mit großen Erdhügeln oder Steinwällen auf. Mit dem Aufkommen der Megalithkultur (Mesolithikum 10.000 - 4.000 vuZ.)entwickeln sich mit der Zeit immer massivere Grabbauten die ihren Höhepunkt sicherlich im Begräbniskult Ägyptens hatte und von der großen Sorge um das Leben im Jenseits zeugt. Gräber wurden hier zu einer ewigen Heimstätte für ein Leben nach dem Tod ausgebaut und ähnelten (je nach Herkunft und Status des Toten) den Palästen zu Lebzeiten. Eine immer ausgefeiltere Technik die Toten zu mumifizieren zeugt von dem Bedürfnis die Grenzen zwischen der Unvermeidlichkeit des Todes und der Existenz der Lebenden zu verwischen. Da auch in anderen Kulturen Mumien gefunden wurden (Australien, Indonesien, Westafrika), können Ethnologen von einer uralten gemeinsamen Sitte ausgehen.

Eine verhältnismäßig späte Form der Bestattung ist die Einäscherung der Toten die erst in der Bronzezeit (um 2.000 vuZ.) üblich wird. Hier verknüpft sich der Glaube, dass die Toten zur Sonne (oder einem anderen Teil des Himmelsgewölbes) emporsteigen und hier eine ewige Wohnung finden. Die Urne (z.B. als Grabmaske) war bei den Etruskern auf magische Weise der Tote selber.

Särge galten noch im 17 Jahrhundert als Luxus. Tote wurden in der Regel in Urnengemeinschaften, Katakomben (unterirdische Grabsysteme) und Mausoleen (Totenhäuser) bestattet. Das menschliche Dasein erweist sich als unablässige Folge von Sterben und Wiedergeburt und soll durch bestimmte Riten diesem Zyklus an den kritischen Punkten die Spannung nehmen. Die Unsterblichkeitsvorstellung ist aus diesen rituellen Gegebenheiten als Folgeerscheinung entstanden. Eine intellektuelle Spekulation über das Vorhandensein einer vom Leib gelösten Seele entwickelte sich eher im Hintergrund dazu.

(Copyright 2007 / Oliver Schlemper - freier Autor)

Weiterführende Informationen zum Thema: WISSENSWERTES

» WISSENSWERTES

» WISSENSWERTES - Totenkult

» WISSENSWERTES - Thanatologie

» WISSENSWERTES - Gevatter Tod

» WISSENSWERTES - Mumien

» WISSENSWERTES - Leichenwagen

» UNGESCHRIEBENE GESETZE

» CHECKLISTE IM TODESFALL

» TESTAMENT



ZURÜCK zur Hauptseite Wissenswertes


Startseite  |  Impressum  |  Datenschutz  |  Hilfe  |  Sitemap


Social Bookmarking